Staatsfeiertag 1. Mai – Tag der Arbeit

    2
    835
    Oesterreich-Fahne

    Der 1. Mai wird als Maifeiertag, Tag der Arbeit, aber auch als Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse und Tag der Arbeiterbewegung bezeichnet.

    Der österreichische Staatsfeiertag geht auf eine Initiative des österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuss in der ersten Republik zurück. Seit 1934 galt der 1. Mai als Staatsfeiertag, zum dauernden Gedenken an die Proklamation der Verfassung.

    Während der Besetzung Österreichs durch die Alliierten (1945-1955) wurde der Staatsfeiertag nicht gefeiert.

    Durch die Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1955 und das damit beschlossene Gesetz der immerwährenden Neutralität, steht der Staatsfeiertag seit 1956 wieder als gesetzlicher Feiertag im Kalender.

    Das folgende Gedicht aus dem 19. Jahrhundert –  speziell gerade am Tag der Arbeit – soll zum Nachdenken bewegen. Denn auch noch heute in unserer Gegenwart hat es nichts an Sinn, Bedeutung und Aussagekraft verloren.

    Bet und arbeit!,
    ruft die Herrschaft dieser Welt,
    Bete kurz! denn Zeit ist Geld.
    An die Türe pocht die Not –
    Bete kurz! denn Zeit ist Brot.

    Und Du ackerst und Du säst,
    und Du nietest und Du nähst,
    und Du hämmerst und Du spinnst –
    Sag oh Volk, was Du gewinnst!

    Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,
    schürfst im Erz- und Kohlenschacht,
    füllst des Überflusses Horn,
    füllst es hoch mit Wein und Korn.

    Doch wo ist Dein Mahl bereit?
    Doch wo ist Dein Feierkleid?
    Doch wo ist Dein warmer Herd?
    Doch wo ist Dein scharfes Schwert!

    Alles ist Dein Werk! oh sprich,
    alles, aber nichts für Dich!
    Und von allem nur allein,
    die Du schmiedest, die Kette, Dein?

    Kette, die den Leib umstrickt,
    den dem Geist die Flügel knickt,
    die am Fuß des Kindes schon
    Klirrt – oh Volk, das ist der Lohn!

    Was ihr hebt ans Sonnenlicht,
    Schätze sind es für den Wicht;
    Was ihr webt, es ist der Fluch,
    für Euch selbst – ins bunte Tuch!

    Was ihr baut, kein schützend Dach,
    hat´s für Euch und kein Gemach;
    Was ihr kleidet und beschuht –
    Tritt auf Euch voll Übermut!

    Menschenbienen, die Natur,
    gab sie Euch den Honig nur?
    Seht die Drohnen um Euch her!
    Habt ihr keinen Stachel mehr?

    Menschen der Arbeit, aufgewacht!
    Erkennet endlich Eure Macht!
    Alle Räder stehen still,
    wenn Euer starker Arm es will!

    Eurer Dränger Schar erblasst,
    wenn ihr, müde Eurer Last,
    in die Ecke lehnt den Pflug,
    Wenn ihr ruft: Es ist genug!
    Brecht das Doppeljoch entzwei!
    Brecht die Not der Sklaverei!
    Brecht die Sklaverei der Not!
    Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

    Gerorg Herwegh (Dichter), 1817-1875